Coronavirus-Pandemie in Haiti

Bekämpfung des Coronavirus in Haiti intensiviert

Die Gesundheitsversorgung in Haiti ist lückenhaft, sodass das Land durch die Covid-19-Pandemie besonders gefährdet ist. Das SRK hat beschlossen, seine Präventionsmassnahmen zu intensivieren und mehrere gemeindebasierte Gesundheitseinrichtungen im Südwesten mit Schutzmaterial auszurüsten.

Als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre ist Haiti den Risiken von Naturkatastrophen besonders stark ausgesetzt. Es erholt sich nur mit Mühe vom Erdbeben 2010 und den Wirbelstürmen der vergangenen zehn Jahre. Seit vielen Jahren ist Haiti ausserdem durch eine anhaltende politische Instabilität geprägt, die die staatlichen Strukturen nach und nach schwächt. Im aktuellen Umfeld der Coronavirus-Pandemie besteht in diesem Land folglich aufgrund der sozioökonomischen Gegebenheiten und der lückenhaften Gesundheitsversorgung ein hohes Risiko einer Gesundheitskatastrophe. Die kleine Karibikinsel schien zwar zuerst verschont geblieben zu sein, aber seit Mai nimmt die Anzahl der Fälle rasant zu, was das Schlimmste für die Bevölkerung befürchten lässt. Folglich hat das SRK beschlossen, seine Nothilfemassnahmen gegen das Coronavirus zu intensivieren.

Kampf gegen Stigmatisierung

Mit Unterstützung der Glückskette setzt das SRK in vier Ortschaften der Region Palmes im Südwesten Haitis ein Projekt im Umfang von etwas mehr als CHF 300 000 um. Dazu kommen die bereits im März bereitgestellten CHF 40 000. Das SRK gehört zu den ganz wenigen Hilfsorganisationen, die in diesem bergigen und schwer zugänglichen Teil des Landes tätig sind. «Hier wie überall sonst auf der Insel ist die Bevölkerung von der informellen Wirtschaft abhängig. Einen Lockdown kann sie sich schlicht nicht leisten», erklärt Bruno Gremion, Leiter des SRK-Programms für Haiti.

Das neue Projekt legt den Schwerpunkt auf die Vorsorge und die Sensibilisierung der Bevölkerung, um die Hygienemassnahmen wie Händewaschen, Maskentragen an öffentlichen Orten und Abstandhalten zu fördern, damit es nicht zu Ausbrüchen der Epidemie kommt. Um grosse Menschenansammlungen zu vermeiden, wird mit mobilen Massnahmen gearbeitet (mobile Stände und Megafone sowie Radiospots). «Wir müssen auch gegen die Stigmatisierung der Kranken und des von der Bevölkerung regelmässig angegriffenen Gesundheitspersonals ankämpfen», sagt Bruno Gremion. Mit dieser Kampagne sollen mehr als 200 000 Menschen erreicht werden.

Das Projekt umfasst auch den Bau mehrerer Handwascheinrichtungen und die Bereitstellung von Schutzmaterial (Masken, Handschuhe und Schutzkittel) für 60 gemeindebasierte Gesundheitszentren. Schliesslich wird auch Desinfektionsmaterial geliefert, um dem Staat beim Desinfizieren des öffentlichen Raums unter die Arme zu greifen.

Starkes lokales Netzwerk

Das SRK verfügt dank seiner Delegation in Léogâne über ein erfahrenes lokales Team (zurzeit 40 Angestellte) mit fundierter Kenntnis der staatlichen und gemeindebasierten Akteure. «Das Team kann auch die bestehenden logistischen Kapazitäten nutzen, um das Projekt schnell umzusetzen», erklärt Bruno Gremion. Die Gesamtverantwortung für das Projekt (Materialeinkauf, technische Unterstützung, Monitoring etc.) liegt zwar beim SRK, aber die Umsetzung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Haitianischen Roten Kreuz sowie den lokalen staatlichen und gemeindebasierten Akteuren.